Herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihres Kindes. Plötzlich sieht die Welt ganz anders aus. Alles ist neu, Vieles phantastisch, Manches aber auch schwierig. Zumindest aber anders und mit jedem neuen Familienmitglied muss sich auch erst einmal ein neues Gleichgewicht einstellen.

Dies gilt in besonderem Maße für Ihre Zweierbeziehung! Gehören Sie auch zu der Spezies, die überrascht mit Kind im Arm festgestellt hat, dass nichts mehr ist wie es war? Kein Mensch mehr, der sich erkundigt wie es Ihnen geht; alle Welt dreht sich nur noch um Ihr Kind. Wie soll da um Himmels Willen noch Platz für eine gemeinsame Sexualität sein. Und so ist es vielleicht auch nur konsequent, dass gerade bei jungen Paaren mit Kind die Lustlosigkeit so weit verbreitet ist. Viele versuchen mit Kind noch im Ansatz an alten und liebgewonnenen Ritualen festzuhalten. Und stellen mit Enttäuschung fest, dass dies nicht gelingt. Der spontane allesverzehrende Sex ist bei 3-stündigem Stillrhythmus und latenter Übermüdung auch schwer realisierbar.

Muss er auch gar nicht. Nur, dass muss man erst einmal akzeptieren und die Chance nutzen, eine neue Ebene der Sexualität als Ehepaar für sich zu entdecken. Hier ist Humor unendlich wichtig. Realitätsnah haben unlängst 55 % der befragten Männer angegeben, dass Ihnen Humor bei der Partnerin wichtiger ist als guter Sex! Vielleicht liegt diesem Votum die Erfahrung zu Grunde, dass in diesem Lebensabschnitt ohne Humor überhaupt kein Sex möglich ist. Man muss schon ein bisschen über sich selber lachen können, wenn in einer perfekt arrangierten "Nümmerchensituation", das Kind ohne Ende quengelt und der Ehemann sich zwar voller Lust, aber auch voller Verzweiflung neben den Kleinen ins Bett legt,... und vor ihm eingeschlafen ist.

Hier hilft nur Eins: Feste Regeln, z.B. einen festen Kuschelabend in der Woche. Wer dies zunächst als furchtbar langweilig empfindet, wird sich alsbald eines Besseren belehren lassen müssen. Es gibt einfach Zeiten im Dasein eines Ehepaares, da heißt es nicht spontaner oder geplanter Sex, sondern, geplanter Sex oder gar kein Sex. Je früher man diese Tatsache verinnerlicht, desto erfinderischer wird man bei der Ausgestaltung der festen Tage werden. Dies festigt nicht nur Ihre Liebesbeziehung, sondern stabilisiert auch die Familiensituation.

Und noch ein Tipp- versuchen Sie ein gemeinsames Wochenende im Jahr -ohne Kinder- zu realisieren. Erfahrene Familientherapeuten raten dies von Anfang an. Ich weiß nicht, wo diese erfahrenen Menschen Ihre Kinder unterbringen, aber uns ist es immerhin gelungen, als unsere älteste Tochter 9 Jahre alt war. Mein Mann und ich waren 3 Tage in Rom. Es war phantastisch! Und es hat so gut getan, dass sich die organisatorische Mühe allemal gelohnt hat. Ich weiß, es ist für viele nicht leicht, eine Kinderbetreuung auf die Beine zu stellen, die den Genuss eines solchen Wochenendes sorgenfrei ermöglicht. Kluge Ratschläge sind auch sonst nicht meine Art, aber diesen Tipp würde ich wirklich gerne an Sie weitergeben.

Herzlichst, Ihre Dr. med. Gabriele Freifrau von Villiez